Lebensfreude aus Nairobi trifft Brühl: NAFSI begeistert im Cultra
Rhythmische Trommeln, treibende Beats, Akrobatik vom Feinsten und hinreißende Tänze – das Jugendkulturhaus „Passwort Cultra“ bebte am Sonntag, 9. November 2025, als die kenianische Künstlergruppe NAFSI Africa Kids die Bühne bespielte. Die fünf jungen Künstler*innen Tamara (10), Sharon (11), Givan (11), Trevor (13) und Promise (14) sowie ihre Trainerin Maria brachten pure Energie und Herzlichkeit nach Brühl. Ihr Auftritt war mehr als eine Show: Er war ein bewegender Einblick in die verbindende Kraft der Kunst.
Die Performance - ein szenisches Tanz- und Akrobatikstück mit Botschaft - war nicht nur beeindruckend aufgrund der Tanz- und Akrobatikdarbietungen, sondern auch inhaltlich stark. In dem Stück setzten sich die jungen Künstler*innen mit drängenden Umweltproblemen auseinander – Abholzung von Wäldern, Vermüllung und Luftverschmutzung – und zeigten zugleich Lösungen.
Die Lebensfreude der Kinder und Jugendlichen aus Nairobi steckte das Publikum an – und machte nachdenklich. Denn die jungen Akrobat*innen stammen aus den Armenvierteln der kenianischen Hauptstadt, darunter Kibera, dem größten Slum Afrikas. Dort führt NAFSI wöchentliche Trainingsprogramme für Straßenkinder und benachteiligte Jugendliche durch. Mit Akrobatik, Tanz, Malerei und Yoga will die Organisation Talente fördern, Perspektiven eröffnen und Hoffnung geben. Kunst und Sport sind für NAFSI „Türöffner“, um Kinder aus einem Alltag voller Armut, Gewalt und Drogenmissbrauch herauszuholen. In Nairobi leben rund 250.000 Straßenkinder – in ganz Kenia sind es Millionen.
Auch die Schüler*innen der Gesamtschule Brühl zeigten sich von ihrer kreativen Seite: Mit eingeübten Tänzen, Pyramiden und einem selbst komponierten Lied setzten sie ein starkes Zeichen für Gemeinschaft.
Der Auftritt von NAFSI und den Brühler Kindern und Jugendlichen wurde zusätzlich durch Videoproduktionen bereichert, die auf zwei großen Leinwänden projiziert wurden. Diese Filme hatten Schülerinnen der Gesamtschule Brühl in den Workshops selbst erstellt – ein eindrucksvolles Zusammenspiel von Tanz, Akrobatik und kreativer Medienarbeit.
In der Fragerunde verrieten die jungen Gäste ihre Träume: Trevor und Promise möchten eines Tages in Europa oder den USA leben, Tamara und Givan wollen berühmte Tänzer und Akrobaten werden, Sharon träumt davon, Ärztin und Künstlerin zu sein. Das Publikum hingegen ließ sich mitreißen von der positiven Energie der fünf Kinder: „Das Beeindruckendste ist ihre Lebensfreude. Sie lachen immer und sind gut drauf – davon können wir uns eine Scheibe abschneiden“, so Oscar aus der 8a.
Kunst als Brücke: Drei Tage Workshops im Cultra
Der Auftritt war eingebettet in ein dreitägiges Projekt, bei dem 40 Schüler*innen der Gesamtschule Brühl (AG Nachhaltigkeit, Dunga-Freundschaftsprojekt, Darstellen & Gestalten-Kurse Jg. 7 – 9) in multimedialen Workshops Themen wie Klimawandel, Nachhaltigkeit und Umwelt kreativ bearbeiteten. Unter dem Dach des Jugendkulturhauses „Passwort Cultra“ des ASB Rhein-Erft/Düren trafen Kinder und Jugendliche aus dem globalen Norden (Brühl) und Süden (Kenia) zusammen, um gemeinsam kreative Kunstprojekte zu schaffen und einander näherzukommen.
Gefördert wurde die Veranstaltung durch das Projekt 721 – gestern, heute, morgen, das nach der Flutkatastrophe 2021 ins Leben gerufen wurde. Ziel: Kindern und Jugendlichen kreative Räume bieten, um Themen wie Flut, Klimawandel und Nachhaltigkeit spielerisch zu verarbeiten. Projektleiterin Dr. Astrid Nierhoff und Regisseurin Kerstin Neuwirth entwickelten gemeinsam mit den Teilnehmer*innen eine multimediale Inszenierung.
Die Workshops waren vielfältig: Während einige Schüler*innen einen Podcast über Umweltschutz produzierten, komponierten andere ein Lied über Mülltrennung und sauberes Wasser. „Es macht Mega-Spaß, mit professionellem Equipment zu arbeiten“, freute sich Melody (12). Isabella (13) ergänzte: „Eigene Videos zu drehen und zu bearbeiten ist spannend.“ Besonders bereichernd: die Begegnung mit den kenianischen Gästen. Gemeinsam mit NAFSI entstand eine Tanz- und Akrobatik-Performance, die zeigt, wie Kunst Brücken baut – über Kontinente hinweg.
Intensive Begegnungen in Gastfamilien
Die sechs Künstler*innen von NAFSI waren während ihres Aufenthalts in Brühl in Gastfamilien untergebracht. Diese Begegnungen waren besonders intensiv und bereichernd – für beide Seiten. Die kenianischen Kinder bekochten ihre Gastgeber mit Ugali, einem traditionellen Maisbrei, und schmäten die deutsche Brotkunst: Am liebsten essen sie ganz weiches Weißbrot.
Ein besonderes Highlight für die Gäste aus Nairobi und die Brühler Kinder war der gemeinsame Besuch im Phantasialand sowie im Kletterwald Schwindelfrei, wo sie in schwindelerregenden Höhen zwischen im dichten Buchenwald kletterten. Diese Erlebnisse schufen unvergessliche Momente und stärkten die Freundschaft über Kontinente hinweg.
Dank an die Unterstützer
Unser Dank gilt dem Projekt 721 – gestern, heute, morgen für die Durchführung und Finanzierung dieses großartigen Projekts, dem Cultra für die modern ausgestatteten Räumlichkeiten, dem Phantasialand und dem Kletterwald Schwindelfrei für den freien Eintritt sowie der Stadt Brühl für die bereitgestellten Busse.
Für die Schulprofilgruppe „Schule der Zukunft“
Astrid Pfeifer